Stipendiat:innen
Elisabeth Nembrini - Stipendiatin 2026



In völliger Dunkelheit entstehen erträumte malerische Fotogramme ohne Kamera, welche sich weitgehend einer Kontrolle entziehen. Es ist Malerei, mit Licht direkt und analog aus dem Fotopapier gelockt.
Dieser physische Vorgang unterscheidet sich total von einer digitalen Bildgenerierung. Die Grösse der Formate und Belichtungen bewegen sich am oberen Limit. Sie ergeben sich aus den Bedingungen des Labormaterials und meinen körperlichen Dimensionen. Kein Bild ist wiederholbar und deshalb jedes ein Unikat.
Die aktuelle Serie entsteht auf langen Bahnen von schwerem Hochglanzfotopapier, das wie flüssige Farbe in Bewegung ist und die Farben in einer mehrschichtigen Tiefe zeigt. Die spiegelnde Oberfläche zwingt beim Betrachten zur Bewegung.
Mehr Infos auf der Website: http://elisabethnembrini.kleio.com/
Reto Müller - Stipendiat 2026

Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, 2023


Mit der Ausstellung „Le nombril du monde“ im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen – anlässlich des Manor Kunstpreis 2023 – schafft der Künstler ein weites imaginäres Feld, einen Möglichkeitsraum zwischen Geologie, lokaler Mythologie und Industriegeschichte, zwischen Absicht und Zufall, Momentaufnahme und Erzählung. Der gleichnamige Katalog dient als Erweiterung der Ausstellung.
Reto Müller erörtert darin im Gespräch mit Roland Früh und Barbara Signer verschiedene Bezüge, Interessen und die Verbindungen innerhalb seiner künstlerischen Praxis.
Reto Müller:«Ich arbeite nicht in einem klassischen Atelier. Meine künstlerische Praxis basiert auf Recherche sowie der Auseinandersetzung mit Orten, ihren Geschichten, Materialien und Produktionsprozessen. Die Begegnung mit der griechischen Antike und ihrer Kunstgeschichte ist für mich ein grosses Geschenk und prägt meine Arbeit wesentlich. Aus der Distanz wie auch im direkten Arbeiten vor Ort entsteht der Impuls, für Syros eine kleine Vitrinen-Ausstellung zu entwickeln.»
Diandra Germann (*1990) ist Architektin MSc ETH Zürich und arbeitet an der Schnittstelle von Architektur, Umbau, Materialexperiment und Objektgestaltung. Nach ihrem Studium an der ETH Zürich und an der Accademia di Architettura in Mendrisio sowie einer Ausbildung an der Accademia delle Arti Orafe in Rom gründete sie 2020 das Büro Baubau und ist seither selbständig tätig. Sie arbeitet sowohl als Architektin wie auch als Goldschmiedin und verbindet räumliches Denken mit handwerklich-materialbasierten Prozessen. Ihre Arbeiten umfassen Umbauten im Wohnungs- und Ferienhausbereich, Wettbewerbsbeiträge sowie Projekte im Bereich Kunst am Bau, häufig in enger Zusammenarbeit mit Künstler:innen und Handwerksbetrieben; ergänzend entstehen Glas- und Schmuckobjekte. Für den Aufenthalt auf Syros bringt sie ihre mobile Silberwerkstatt mit und möchte die Zeit nutzen, um an ihrem Schmuck zu arbeiten und neue Arbeiten zu entwickeln.
Diandra Germann und Reto Müller reisen mit ihrer dann zweijährigen Tochter Toni an; die Betreuungs- und Arbeitszeit wird – wie im Alltag – partnerschaftlich geteilt, sodass konzentrierte Arbeitsphasen ebenso wie das gemeinsame Unterwegssein möglich sind.
Urs Eberle - Stipendiat 2027



Urs Eberle (*1954 in Muolen SG) ist bildender Künstler und Architekt mit Wohn- und Arbeitsort in St. Gallen. Er studierte von 1978 bis 1982 an der Kunsthochschule Kassel und absolvierte später das Architekturtechnikum St. Gallen (1991–1993). Seine künstlerische Praxis bewegt sich zwischen ortsbezogener Recherche, fotografischen und digitalen Interventionen sowie Collagen, die aus der suchenden Bewegung des Wanderns und Sammelns entstehen und architektonische, räumliche und soziale Strukturen reflektieren.
Seit den 1980er-Jahren stellt Eberle regelmässig im In- und Ausland aus, u. a. in der Kunsthalle St. Gallen, im Kunstmuseum St. Gallen, in Galerien in Zürich, Kassel und San Francisco sowie zuletzt in St. Gallen, Arbon und Athen. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter mit Förder- und Werkbeiträgen der Stadt St. Gallen sowie der Stiftung Pro Arte Bern.
Neben Atelieraufenthalten, etwa im Kulturatelier des Kantons St. Gallen in Rom, führten ihn längere Arbeitsphasen nach Berlin und Valencia, wo er seine Auseinandersetzung mit urbanen Räumen, Geschichte und Wahrnehmung vertiefte. In seiner Arbeit versteht er den Ort als Ausgangspunkt einer künstlerischen Spurensuche, die persönliche Erfahrung, architektonische Beobachtung und kulturellen Austausch verbindet.
Sein für Syros skizziertes Projekt knüpft daran an: Ausgehend von Wanderungen und der Sammlung von Eindrücken übersetzt er räumliche Konstellationen, ortsspezifische Gegebenheiten und persönliche Erfahrungen in Materialien — etwa in Papierarbeiten und Interventionen — und entwickelt daraus eigenständige Interpretationen im Dialog mit dem jeweiligen Umfeld.
Marc Hansjörg Lieberherr - Stipendiat 2027
Marc Hansjörg Lieberherr (*1997 in Schwellbrunn) lebt und arbeitet in St. Gallen. In seiner künstlerischen Praxis, die Fotografie, Druckgrafik, Skulptur und räumliche Setzungen verbindet, entwickelt er installative Situationen, in denen Werk und Ausstellungsraum als zusammenhängende Atmosphäre erfahrbar werden. Seine Arbeiten untersuchen psychologische Zustände, existenzielle Spannungen und die oft unausgesprochenen Dimensionen menschlicher Erfahrung. Lieberherr stellte u. a. bei AUTO St. Gallen, im Projektraum viereinhalb sowie im Sitterwerk St. Gallen aus; Arbeiten von ihm befinden sich in der Sammlung der Graphischen Sammlung Bern.
Artist Statement: Meine künstlerische Praxis bewegt sich häufig an der Grenze zwischen Komfortzone und deren bewusster Überschreitung – dem Versuch, einen Weg aus der eigenen Sicherheit zu finden, ohne sie vollständig zu verlassen. Die räumlichen Bedingungen von Ano Syros erscheinen mir hierfür besondersgeeignet: Die Nähe die durch die Architektur im öffentlichen Raum entsteht, kann ein Gefühl von Anonymität erzeugen, obwohl Ausweichen kaum möglich ist; das Verschachtelte der Gebäude und Gassen lässt Distanz und Intimität gleichzeitig entstehen. Mich interessiert, wie diese widersprüchliche Zustände psychologisch erfahrbar werden und wie sie sich in räumliche, visuelle und materielle Strukturen übersetzen lassen. Ob meine Auseinandersetzung fotografisch, bildnerisch oder skulptural sein wird, wird sich vor Ort zeigen.
Thi My Lien Nguyen - Stipendiatin 2026


Thi My Lien Nguyen (*1995, St. Gallen) ist eine Schweizer Künstlerin und Fotografin vietnamesischer Herkunft, aufgewachsen in Amriswil, lebt und arbeitet in Winterthur. Sie studierte Camera Arts an der Hochschule Luzern – Design & Kunst. In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sich Nguyen mit Fragen von Migration, Zugehörigkeit, Erinnerung und kultureller Weitergabe. Ausgehend von persönlichen und kollektiven Archiven arbeitet sie mit Fotografie, Video, installativen und gemeinschaftsbasierten Formaten sowie mit Ritualen, Essen und Formen des Teilens. Ihre Arbeiten verstehen Bilder als Träger von Erfahrung und als Orte, an denen sich individuelle Geschichten mit gesellschaftlichen Zusammenhängen verschränken.
Für die Residency auf Syros versteht Nguyen den Ort als konzentrierten Resonanzraum, in dem Rückzug, Recherche und Austausch zusammenkommen. Sie plant eine offene, prozessorientierte Arbeitsphase, in der sie mit fotografischen Verfahren wie Cyanotypie, mit Archivmaterial sowie mit ortsspezifischen Beobachtungen arbeitet und Fragen von Verortung, Erinnerung und kulturellem Austausch im Dialog mit der Insel weiterentwickelt.
Ihre Arbeit entsteht im Spannungsfeld zwischen persönlicher Erfahrung und kollektiven Perspektiven und reagiert sensibel auf die jeweiligen sozialen und räumlichen Kontexte.
Mami Kiyoshi - Stipendiatin 2026



Mami Kiyoshi was born in 1974, in Saitama, Japan. She is an artist and photographer, and currently lives and works in Paris. She has a degree from the Musashino Art University of Tokyo, in Japan, and has presented numerous exhibitions of her work in Japan, China and Europe. In 2010, Mami was awarded a grant from the Japanese government to pursue her New Reading Portraits series in France. While in France, she won a residency at the Cité Internationale des Arts, in Paris. She also received the 2011 Arte/L’Art et la Ville Award, and a Special Jury Award from the Photographie.com 2012 Bourse du Talent; both in France. Her works are in the collections of the Kiyosato Museum of Photographic Arts in Japan; Le Musée de la Ville de St Quentin en Yvelines, and the Bibliothèque Nationale, in France.
Kenji Abe - Stipendiat 2026



Kenji Abe ist Bilderbuchautor und Illustrator mit Schwerpunkt auf Literatur für Kleinkinder. Seine Bücher wurden in Japan, Frankreich und Spanien veröffentlicht und mehrfach öffentlich anerkannt, darunter durch Auszeichnungen des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales sowie des JPIC Reading Advisors Club (JRAC). Seine Originalzeichnungen sind Teil einer öffentlichen Sammlung in Paris. Zudem realisierte er Auftragsillustrationen für ein Leseprogramm für Kleinkinder, das vom öffentlichen Bibliotheksnetzwerk der Stadt Paris betreut wird.
Für das Jahr 2026 wurde Kenji Abe als teilnehmender Künstler für eine Residenz auf der Insel Syros (Griechenland) ausgewählt. Während des Aufenthalts plant er, mit der Entwicklung eines neuen Bilderbuchs zu beginnen. Ziel ist die Erarbeitung eines Moodboards zur Definition der visuellen und narrativen Atmosphäre des Projekts sowie – wenn möglich – die Weiterentwicklung eines ersten Manuskript- und Storyboard-Entwurfs.
Die Residenz bietet ihm die Möglichkeit, sich bewusst vom kontinuierlichen Informationsfluss zu lösen und sich auf die frühe, fragile Phase eines neuen Buchprojekts zu konzentrieren. Gleichzeitig versteht er den Austausch mit Künstler:innen und Kreativen aus unterschiedlichen Ländern und Kontexten als wertvolle Quelle konzentrierter und nachhaltiger Inspiration für die Weiterentwicklung seines Projekts auf Syros.
Katrin Hotz - Stipendiatin 2027


Katrin Hotz (*1976 in Glarus) lebt und arbeitet in Biel/Bienne. Sie studierte an der École cantonale d’Art du Valais in Sierre (BA und MA) sowie zuvor an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich. Ihre Arbeiten werden international in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, u. a. im Kunsthaus Glarus, im Centre PasquArt sowie bei Heimspiel. Hotz erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Prix Anderfuhren und den Frauenkunstpreis, und realisiert neben Ausstellungen auch Projekte im Bereich Kunst am Bau.
Meine Arbeiten inspirieren sich aus dem Alltag, dem Gewöhnlichen. Ich arbeite mit einer radikalen Ökonomie der Mittel: Farben und Papier, Formen und Raum. Grossformatiges Papier, monochrom eingefärbt, oft polychrom kombiniert. Die Installationen entstehen aus Gesten, Wut und Mut: Das Papier wird zerrissen, zerknittert, kombiniert zu wandfüllenden Gemälden, freihängenden Zeichnungen, raumfüllenden Collagen. Meine Arbeiten spielen mit der Architektur des Raumes, ignorieren diese manchmal auch. Die Installationen sind ephemer: während einer Ausstellung da, danach wieder Rohmaterial, mehrfach wiederverwendet, bis sie verbraucht sind. Kunst ohne Werk.